Sehr oft wird ein Gemälde, dass ein Gefühl von Licht, Schatten und Form oder kurz: einen Dreidimensionalen Effekt erzeugt, als „Fotorealistisch“ bezeichnet. Doch nach akademischem Stil gemalte Werke, sind keinesfalls fotorealistisch. Während ein Maler des Realismus versucht, die Welt so darzustellen, wie  er sie sieht und auch ein gewisses Maß an künstlerischer Freiheit hat, um seine Komposition so ästhetisch wie möglich darzustellen, benutzt ein Maler des Fotorealismus ein Foto als Vorlage um es so genau wie möglich abzumalen.

Um diesen Unterschied zu verdeutlichen, vergleichen wir zwei Werke:

Der Blinde“ von Gustav Klimt und „John’s Diner with John’s Chevelle“ von John Baeder

In Klimts Bild kann man die Merkmale von realistischer Malerei deutlich erkennen. Wenn man bspw. einen Blick auf das im Schatten liegende Auge wirft, sieht man kein Auge. Es ist nur ein Farbklecks, der die Existenz eines Auges suggeriert. Ebenfalls, ist das Haar kein Haar. Es sind nur ein paar Pinselstriche, die von nahem betrachtet nicht aussehen wie Haare, auf Distanz aber diese Illusion vermitteln. Schaut man sich hingegen John Baeder’s Bild an, sieht man, dass der Künstler jede Kleinigkeit exakt gemalt hat. Jede Schraube am Auto ist dargestellt, jeder einzelne Stein am Haus ist genau gemalt.

Doch die meisten Menschen würden sagen, dass John Baeder’s Bild unnatürlich aussieht und Klimts realistischer. Das liegt daran, dass Baeder seiner Fotovorlage ganz genau gefolgt ist und keinerlei Änderung vorgenommen hat. Eine Kamera stellt die Welt jedoch anders dar, als das menschliche Auge sie sieht. Unsere Augen haben ein peripheres Sichtfeld. Das bedeutet, dass wir nur die Dinge scharf sehen, auf die wir unser Auge genau richten, während wir das  Umfeld simpler und als verschwommen wahrnehmen. Genau dieser Effekt ist in Klimts Bild nachgeahmt. Das Gesicht ist der Fokus des Bildes: Es hat die Schärfsten Kanten und die meisten Details. Bereiche die im Schatten liegen, sehen wir nicht so detailliert, wie bspw. das rechte Auge des Mannes. Je weiter wir uns vom Gesicht entfernen, desto detailarmer und weicher werden die Bildelemente. Dies lenkt zum einen die Aufmerksamkeit des Betrachters zurück auf das Gesicht und gibt uns das Gefühl von „Realismus“. Baeders Bild hingegen wirkt unnatürlich, da jede Kante so scharf ist, wie die Kamera sie erfasst hat und jedes Objekt gleich detailliert ist, so als würde man gleichzeitig überall hinschauen.

Zusammenfassend versucht der Realismus also die Welt so darzustellen, wie das menschliche Auge sie sieht, während der Fotorealismus versucht, sie so darzustellen wie eine Kamera sie sieht.

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