Kitsch ist im ursprünglichen Sinne eine abwertende Bezeichnung für eine bestimmte Art von Kunst, die keinerlei intellektuellen Nährwert besitzt. Doch über eine genaue Definition des Wortes diskutieren Künstler und Philosophen schon seit Ewigkeiten.

Generell kann man alles, das unter eine Massenkultur fällt und die Illusion einer heilen Welt, also eine falsche Geborgenheit suggeriert als Kitsch bezeichnen. Ein ganz klassisches Beispiel dafür, ist das Motiv des „Röhrenden Hirschs“, welches sich im 19. Und 20. Jahrhundert starker Beliebtheit erfreute.

Als „dümmlich tröstend“ bezeichnete der deutsche Philosoph und Soziologe Theodor W. Adorno den Kitsch. Damit ist jene Kunst gemeint, die eine konfliktlose, mondäne Weltanschauung erzeugt und ausschließlich positive Gefühle im Betrachter wecken möchte. Diese können bspw. religiöser, patriotischer, nostalgischer, niedlicher oder sentimentaler Natur sein.

Worüber jeder Künstler sich Gedanken machen muss, ist die Frage, ob seine Arbeiten unter dieser Kategorie eingeordnet werden könnten und warum. Eine „kitschige“ Arbeit zu produzieren, ist an sich nichts negatives, solange der Künstler sich dieser Tatsache bewusst war. So haben viele Künstler der Postmoderne die Plakette des Kitsches mit Stolz getragen und ihre Arbeit zum Kultobjekt gemacht. Zum Problem wird dies erst, wenn der Künstler nicht weiß, dass er Kitsch produziert und diese verschwommene Grenze nicht unbewusst zu überschreiten, ist eine ständige Herausforderung. Dabei ist die Wahl des Motivs gar nicht so wichtig, sondern eher die Art und Weise der Darstellung. So ziemlich jedes Motiv kann dargestellt werden, ohne in den Kitsch abzurutschen.

Eine der Aufgaben der Kunst ist das Formen, Bilden und Reflektieren der Gesellschaft in der sie entsteht, doch nicht alles muss sich vom Kitsch distanzieren. Wahrscheinlich brauchen wir Menschen den Kitsch um von Zeit zu Zeit aus der Realität zu flüchten und uns abzulenken. Nicht umsonst erfreut sich Kitsch nach wie vor großer Beliebtheit und wir alle konsumieren ihn. Nicht jedes Buch das wir lesen ist von Goethe oder Schiller, nicht jeder Film den wir schauen ist „Citizen Kane“ und nicht jede Musik die wir hören ist Mozart oder Bach. Ab und an benötigen wir die Trivialliteratur, die Popmusik und das Popcornkino, denn nicht alles muss eine tiefere Bedeutung besitzen. Manchmal will ein Werk einfach nur unterhalten. An welcher Stelle eine Arbeit dann aufhört Kunst zu sein, ist die größere Frage.

Bilder:

  • Christian Kröner – Hirschkampf
  • Moritz Müller – Röhrender Hirsch auf einer Lichtung vor Fels
  • Piotrus – Garden gnomes and other garden kitsch
  • Price Kensington – Cottage Ware

1 thought on “Kitsch”

  1. Wir sollten alle ein bisschen von unserem hohen Ross herunterkommen. Würde man Adorno folgen, wäre das gesamte Werk von Auguste Renoir Kitsch. Schönes wäre automatisch Kitsch, Hässliches automatisch Kunst. Drei Striche auf einer weißen Leinwand, mit einem gesellschaftskritischen Titel versehen wäre Kunst, allein wegen des Titels – ein handwerklich gut gemalter röhrender Hirsch wäre Kitsch, allein wegen des Motivs (gibt es in der Natur keine röhrenden Hirsche im Wald)?
    Wenn das so wäre, dann könnte mir die Kunst gestohlen bleiben.
    Kitsch ist für mich erkennbar an meinem peinlich berührten Bauchgefühl etwa beim Anblick des abgebildeten Geschirrs.
    Ein origineller Gartenzwerg ist für mich allerdings noch lange nicht Kitsch.

    Freundliche Grüße!
    Irene Schwarz

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