Studenteninterview mit Nelli

students - Studenteninterview mit Nelli

Wir haben mit einigen Studenten ein kleines Interview geführt. Hier erfahrt ihr, einiges über unsere Studentin Nelli und und wie der Academy Alltag abläuft.

Lebenslauf – Wie sieht dein beruflicher Werdegang aus ?
Nach dem Abitur studierte ich zunächst Architektur – merkte jedoch schnell, dass dieser Studiengang nicht zu mir passt. Im selben Jahr begann ich ein Studium der Geschichts- und Kulturwissenschaften mit den Fächern Kunstpädagogik, Kunstgeschichte und Erziehungswissenschaften – aktuell bin ich dabei es abzuschließen.

Warum bist du an der Academy?
Um die Grundlagen des Zeichnens und der Malerei zu erlernen, denn diese bilden aus meiner Sicht das Fundament für die eigene künstlerische Handschrift.

Wie bist du auf die Academy aufmerksam geworden?
Online; während der Suche nach Kunstschulen in Deutschland, die das traditionelle, naturalistische Handwerk lehren.

Wie finanzierst du dir Dein Studium?
Glücklicherweise habe ich Unterstützung von einem Sponsor, der mir die Hälfte der Studiengebühren erstattet. Die andere Hälfte zahle ich teils durch BAföG, teils durch meinen Verdienst als Aushilfe.17

Wie oft bist du hier?
Einmal die Woche, den gesamten Tag – also 6 Stunden pro Woche.

Berufswunsch. Welchen Berufswunsch hast du?
Ich möchte mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, ihnen Unterstützung bei Wünschen, Ideen und Zielen bezüglich Kunst und deren Projektumsetzung bieten – ob nun auf kunstpädagogischer oder kunsttherapeutischer Ebene steht noch in den Sternen. Vor allem ist es mir ein Anliegen, beim Einzelnen den Weg für ästhetische Bildungsprozesse zu pflastern, um u.a. eine Sensibilisierung für die Wahrnehmung der eigenen Umwelt zu schulen.

Die Arbeit als Illustratorin im Bereich Medien und Design erscheint mir ebenfalls als ein reizvolles Ziel. Durch mein Studium kam ich in Kontakt mit digitalen Medien wie Photoshop, welche meine Neugier auf diesem Gebiet geweckt haben. Besonders in Verbindung mit naturalistischer Kunst könnte man hier spannende Arbeiten schaffen.

Welche Ziele verfolgst du? Persönlich und in beruflicher Sicht?
Ich bin auf der Suche nach dem „perfekten“ Medium für meine künstlerische Arbeit; mein Ziel ist es, einen Stil mit Wiedererkennungswert zu erlangen. Dabei möchte ich so viel ausprobieren wie nur möglich. Insbesondere die intermediale Verschmelzung von unterschiedlichen Materialien und Medien – wie beispielweise Aquarell mit Bleistift oder Zeichnung in Verbindung mit digitaler Bildbearbeitung – hat in meinen Augen großes Potential bezüglich der eigenen Stilfindung, da durch diese Verschmelzungen schlichtweg ein grenzenloses Spektrum an Gestaltungsmöglichkeiten aufgemacht wird.

Alltag. Wie sieht ein typischer Academy Alltag aus?
Meistens beginnt der Tag in der Academy mit einer gemeinsamen Tasse Kaffee. Man erzählt und tauscht sich viel über den Stand des eigenen Projekts aus. Um halb zehn beginnen die Unterrichtszeiten; man startet also mit der Arbeit am eigenen Projekt. Das Besondere hierbei ist, dass nicht jeder Student das Gleiche macht. Im Gegenteil – alle haben unterschiedliche Voraussetzungen und Präferenzen, die durch die Auswahl der Projekte ihren Niederschlag finden. Bei der Projektentscheidung stehen unsere Lehrer beratend zur Seite; so bleibt genug Raum für Entscheidungsfreiheit. Die Wahl der Gegenstände, deren Anordnung und Gesamtkomposition – beispielweise bei einem Stillleben-Projekt – wird den Studenten überlassen. Dies macht Gestaltungsmöglichkeiten auf und bietet einen individuellen Bezug zur entstehenden, künstlerischen Arbeit. Während des Arbeitsprozesses erhalten wir Hilfestellungen und Ratschläge sowohl handwerklich-technischer als auch inhaltlicher Natur. Die Lehre wird individuell auf den einzelnen Studenten zugeschnitten; folglich gibt es keinen Raum für Konkurrenz- bzw. Leistungsdruck, was sehr angenehm und erfrischend ist – gerade neben einem staatlichen Studium. Die Lehrer gehen ca. im Stundentakt herum und geben Hilfestellung. Je nach Bedarf holt man sich bei Fragen zwischendurch nochmal einen der beiden heran. Nach der Mittagspause kommt oftmals ein Modell, und der Nachmittag dreht sich dann um das Studium der menschlichen Anatomie. Man trifft viele neue Gesichter, da parallel zu den Unterrichtszeiten der Teil- und Vollzeitstudenten, Workshops stattfinden. Unter uns Studenten schaut man auch oftmals, was „der andere“ macht; Austausch ist an dieser Stelle sehr wichtig, da man die Möglichkeit hat, sich für einen Moment von der eigenen Arbeit zu lösen, und einen anderen Blick auf die Dinge zu gewinnen. Der Tag in der Academy endet für mich damit, dass ich meine Pinsel, Palette und natürlich mich selber von Farbe befreie. 😉

Hast du noch einen Nebenjob?
Ja, in der Schirn Kunsthalle Frankfurt als kunstpädagogische Aushilfe.

Was machst du in deiner Freizeit?
Ich besuche gern Ausstellungen, spiele Gitarre und gehe laufen.

Welche Bedeutung hat Kunst für dich?
Kunst ist für mich Ausdrucksmittel und Zufluchtsort in Einem. Jedes Mal, wenn ich vor der Staffelei stehe, gibt es für einen Zeitraum nur mein Bild, den Prozess und mich. Der Prozess ist hierbei in meinen Augen das Spannendste, denn oft passieren aus unterschiedlichen Emotionen heraus, unlenkbare Dinge und dann kommt es schonmal vor, dass man Bilder im fortgeschrittenen Stadium übermalt und von Neu beginnt. Man könnte den Malprozess mit einer Achterbahnfahrt vergleichen; aus jeder Tiefe zieht man seine Schlüsse und lernt dadurch die nächste Höhe noch mehr zu schätzen. Der ganze Prozess ist so intensiv, dass man zeitweise in eine Art Rausch verfällt und es mir schwerfällt, einen Punkt zu setzten. So verlasse ich die Academy oftmals ein bis zwei Stunden später als geplant.

Bei Kunst geht es nicht darum am Ende ein möglichst aufwandloses, „hübsches“ Bild zu haben. Es soll vielmehr ein Gefühl für die Materialien und deren Handhabung entwickelt werden. Es geht um den Auftrag der Farbe in ihrer Konsistenz und Brillanz. Und es geht darum, in Formen zu sehen und dadurch die Fähigkeit zu gewinnen, selbst die komplexesten Gegenstände in ihre einfachsten Bestandteile zu zerlegen. Es geht also um Vereinfachung und gleichzeitig um eine Sensibilisierung der Wahrnehmung. Seitdem ich male, erwische ich mich immer wieder in Alltagssituationen, in denen ich Gegenstände und Menschen in ihrer Gestalt aufmerksamer beobachte. Die Charakteristik, Formhaftigkeit, Farbe und Materialität spielen eine übergeordnete Rolle; der Blick verändert sich und wird durchlässiger für Details. Man nimmt mehr wahr und beginnt Anmutungen selbst in den banalsten und belanglosesten Dingen zu sehen und zu empfinden, und das ist so viel wert.

Was ist deine Motivation?
Meine Motivation ergibt sich aus meiner Leidenschaft zur Kunst. Wenn man Spaß an etwas hat, fällt es einem leichter, sich Ziele zu setzten und darauf hinzuarbeiten.

Wie gefällt dir die Academy, wie ist der Umgang, das Klima hier?
Das Klima ist herzlich, entspannt, international. Man trifft auf Gleichgesinnte, diskutiert über das, was uns alle hier verbindet: die Kunst. Man begegnet Menschen mit spannenden Lebensläufen und Berufsbildern und künstlerischen An- und Absichten. Die Zeit hier genieße ich jedes Mal 🙂

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.