Long Pose – Wie läuft eine Long Pose ab?

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Bei der Long Pose steht ein Modell über einen längeren Zeitraum. Um einen kleinen Einblick zu gewähren hier einmal ein kleiner Einblick in den Prozess:

Bevor es mit der großen Zeichnung losgeht, wird zunächst eine Studie per Bleistiftzeichnung gemacht. Damit nähert man sich der Pose an und schult den Blick schon mal für den Körpertyp. Es empfiehlt sich dafür ein DIN A 4 Blatt zu nehmen, denn auf einem kleinen Papierformat erkennt man seine Fehler schneller.

In der großen Zeichnung beginnt man, wie zuvor in der Vorstudie, mit dem Block-In. Mit möglichst einfachen Linien werden die Höhe und die Breite der Haupt-Körperteile, die Proportionen und die Gestik des Modells, eingegrenzt. Dabei sollte man darauf achten, dass die Figur zentriert auf dem Papier positioniert ist, damit die fertige Zeichnung am Ende stimmig ist. Die großen Linien werden nach und nach in kleinere runter gebrochen und die Zeichnung dem Modell immer weiter angepasst.

Auch die Gestik  und die Frage welchen Ausdruck die Pose am Ende haben soll – Statisch, dynamisch oder relaxt – darf nicht in Vergessenheit geraten. Für das Block–In sollte man sich genügend Zeit lassen, denn nichts ist ärgerlicher, als eine fertige Zeichnung mit unharmonischen Proportionen oder einer unklaren Pose.

Nach dem Block-In folgt die sogenannte Value-Study. Es wird der Grad der Helligkeit und der Dunkelheit bestimmt und die vorhandenen Haupt-Schattenformen am Körper des Modells definiert. Eine selbst erstellte Skala mit den einzelnen Graustufenwerte und eine kleine Skizze mit den Schattenflächen sind sehr hilfreich, wenn man ein besseres Gefühl für Licht, Schatten und Form bekommen möchte.

Ist die Value-Study abgeschlossen, werden in der großen Zeichnung die Haupt-Schattenflächen und der Hintergrund in einem hellen Grau hinterlegt, um die Flächen, die vom Licht angestrahlt werden, klarer zu sehen und die Elemente möglicherweise zu korrigieren. Im Verlauf  verdunkelt man den Hintergrund und alle Schattenflächen und bezieht neue Farbtöne ein, wie etwa die Halb- und die Mitteltöne.

Während des Vorgangs wird die Zeichnung immer weiter verbessert und die Licht- und Schattenflächen komprimiert. Durch die verschiedenen Farbtöne wird die Figur modelliert, so dass sie immer mehr aus dem Papier hervorzutreten scheint.

Zu guter Letzt kommt das finale Design. Die Designentscheidung liegt bei jedem Künstler selbst: Wie dunkel sollen die dunkelsten Flächen sein? Welche Körperstellen sollen besonders hervorgebracht und welche mehr im Hintergrund verschwinden? Welche und wie viele Informationen sollen für den Betrachter sichtbar sein?  In jedem Fall wird die Zeichnung eine eigene Note und ihren persönlichen Charme haben, und damit die Handschrift des Künstlers kenntlich machen.

 

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