Das Zeichnen vom Modell ist eine über Jahrhunderte getestete Methode, um die eigenen zeichnerischen Fähigkeiten zu verbessern.

Es schult das Auge ungemein und ist eine der schwierigsten künstlerischen Disziplinen. Da sich das Modell vielleicht bewegt und aus jedem Blickwinkel betrachtet werden kann, ist es deutlich herausfordernder als das Zeichnen vom Foto, bietet aber auch enorme Vorteile.

Wir sind durch die Mediengesellschaft und die tägliche Bilderflut die auf uns einprasselt, stark an Fotos gewöhnt.

Das Konzept dass Fotos die Realität darstellen ist für viele selbstverständlich und niemand kommt auf die Idee, dies zu hinterfragen. Doch ein Kameraobjektiv sieht die Welt anders als das menschliche Auge. Häufig entstehen Verzerrungen: Gliedmaße werden verkürzt, oder verlängert und Proportionen geraten ins Ungleichgewicht. Eine Kamera stellt Schatten außerdem anders da: Während das menschliche Auge In Schatten viele verschiedene Farben sehen kann, sind Schatten für die Kamera häufig nur Schwarz. Auch der Kontrast wird vom Objektiv stark überzogen: Schatten sind häufig zu dunkel und Lichter zu hell. Insgesamt gehen also viele Nuancen im Foto verloren. Ein Künstler der vom Foto arbeitet, verliert also Informationen für seine Arbeit, die er nur mit seinem eigenen Wissen und Erfahrungen ersetzen kann.

Das Zeichnen vom Modell hingegen ist jedoch ein, seit Jahrhunderten getestetes Mittel um die zeichnerischen Fähigkeiten zu verbessern. Der Künstler hat hierbei die Möglichkeit, das Modell mit eigenem Auge zu betrachten und so wiederzugeben, wie er es sieht. Die Schwierigkeiten die dabei entstehen, nämlich das Bewegen des Modells, oder der Wechsel des Blickwinkels auf das Modell, zwingen den Künstler über Anatomie, Perspektive und Form nachzudenken und trainieren das Auge und Gehirn ungemein. Wer über längere Zeiträume vom Modell zeichnet, baut außerdem ein Verständnis über die möglichen Haltungen auf, die ein Mensch einnehmen kann und kann diese später abrufen und aus dem Kopf zeichnen, selbst aus anderer Perspektive.  Der wichtigste Punkt ist jedoch, dass ein Modell im Gegensatz zum Foto nicht statisch ist. Beim Modell sieht man sofort wie das Gewicht verteilt ist und es entsteht ein Verständnis von Bewegung und Energie, vor allem wenn man genau betrachtet, wie ein Modell seine Pose einnimmt.

Wer nicht die Möglichkeit hat, regelmäßig das lebende Modell zu zeichnen, kann zumindest nach draußen gehen und Menschen in der Stadt, Bahn oder im Café skizzieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.