Wird Kunst heute noch als Beruf anerkannt?

Die Realität mit der die meisten, wenn nicht sogar jeder Künstler heutzutage konfrontiert wird, ist dass der Versuch mit Kunst seinen Lebensunterhalt bestreiten zu wollen, auf Unglaube im besten, auf Spott im schlechtesten Fall trifft.

Wir leben in einer auf kommerziellen Erfolg ausgelegten Leistungsgesellschaft. Jede Person soll sich als effektives Zahnrad in diesem System einfügen und arbeiten, bis sie ihren Nutzen überlebt hat. Im Gegenzug dazu bekommt die Person Sicherheiten: Ein geregeltes Gehalt, Krankenversicherung, Rente etc.

Für Menschen die sich für das Leben in diesem System entschieden haben, kann es seltsam wirken, dass jemand all diese Sicherheiten aufgeben würde, nur um seiner Leidenschaft nachzugehen. Künstler werden häufig als Traumtänzer plakatiert, die nur zu faul sind einem „richtigen“ oder „ordentlichen“ Beruf nachzugehen. Ein Künstler arbeitet aber häufig genauso hart wie jemand mit einem geregelten Job. Mit dem Unterschied, dass es für den Künstler kein „freies Wochenende“ oder einen „Feierabend“ gibt. Doch wir wurden von den Anforderungen des modernen Lebens darauf getrimmt zu glauben, nur Arbeit die man hasst, ist wirkliche Arbeit.

Die Geburt der Venus – William Adolphe Bouguereau

Dabei ist man tagtäglich von Kunst umgeben, denn Kunst existiert nicht nur als Gemälde oder Statue im Museum oder in der Galerie. Ob es der Film im Kino, das Werbeplakat an der Litfaßsäule, oder das Design des neuen Sportwagens ist, den man in der Garage stehen hat: Irgendwo im Herstellungsprozess war ein Künstler eingebunden, ohne den es diese Sache nie gegeben hätte. Viele vergessen dies leider und können sich deshalb nicht ausmalen womit ein Künstler denn heutzutage noch Geld verdienen könnte.

Abbot Handerson Thayer-Roses

Dieser Zustand ist tieftraurig, denn etwas zu erschaffen, nur weil wir es ästhetisch finden und nicht weil es irgendeinen praktischen Nutzen erfüllt, ist etwas zutiefst menschliches. Dieses Bedürfnis nach Schönheit ist eines der wenigen Dinge, die uns vom Tier unterscheiden. Eine Gesellschaft in der keine Kunst, kein Sinn für Ästhetik existiert, ist eine tote Gesellschaft, in der kein Mensch leben möchte. Umso wichtiger ist es, zu realisieren dass wir Künstler brauchen. Auch wenn diese augenscheinlich keinen Platz mehr in der Gesellschaft haben, tragen sie jedoch etwas Wichtiges zu eben dieser bei: Sie erinnern uns daran was uns menschlich macht.

Howard Pyle – Marooned

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