Von akademischer Kunst in die digitale Arbeitswelt

veröffentlicht am 15.06.2022

Berufe in der Film- und Videospielbranche

 

Nicht jede*r Studierende der klassischen Kunst möchte nach seinem oder ihrem Abschluss freischaffende*r Künstler*in werden oder möchte dies lediglich neben einem finanziell gesicherteren Job ausüben. Die Frage, in welchen Berufen man mit einer akademischen Zeichen- bzw. Malereiausbildung einsteigen kann hat sich schon vielen gestellt.

Es lohnt sich daher ein Blick in die stetig wachsende Branche der Film- und Videospielproduktion: Beide beinhalten gleichermaßen Berufe, die alle Bereiche von Drehbuch und Dialog über Musik bis hin zu Informatik und Programmierung enthalten — aber eben auch eine große Anzahl künstlerischer Berufe.

Welche Berufe gibt es?

  • Concept Artist:

    Unter dem Begriff Concept Artist versteht man für gewöhnlich jemanden, der für Film oder Videospiele die Entwürfe während der Entwicklung Ihm oder ihr wird eine Idee präsentiert, die es dann in Bildform umzusetzen gilt. In Zusammenarbeit mit anderen Concept Artists entstehen dabei vielfältige Entwürfe zu einem Aspekt oder einer Szene, aus denen nach mehreren Entwurfs-Durchgängen und in Abstimmung mit einem Supervisor und/oder Director dann ein letztendliches Design hervorgeht.
    Hierbei ist es immer unterschiedlich, was nun gerade der Entwurfsgegenstand ist - eine Figur, eine Kreatur, ein Fahrzeug, eine Location oder auch das Gesamtbild einer Szene. Viele Concept Artists spezialisieren sich auf ein Fachgebiet (Character Design, Creature Design, Items/Assets, Location/Layout, Lighting etc.), je nachdem, was ihnen am meisten Spaß macht und worin sie gut sind und erwecken dann die vagen Ideen konkret zum Leben.
    Die Aufteilung der Fachbereiche innerhalb dieses Berufs ist in der Film- und Videospielbranche fast gleich, allerdings sind die Bereiche in der Filmproduktion anders aufgebaut, insofern als dass sich beispielsweise Requisiten (beim Videospiel unter Items) eventuell in der Realität nachbauen lassen müssen, weil nicht immer alles mit CGI nachträglich eingefügt werden kann oder soll. Gleichermaßen teilt sich Character Design auch in die Figuren, die computeranimiert werden, und in die Kostüme bzw. Masken der tatsächlichen Darsteller (Costume Design/Make Up). Besonders Kostüme müssen hierbei auch „ausführbar“ sein.
    Concept Art entsteht mittlerweile fast immer digital und ist in der Regel in 2D dargestellt - auch wenn gerne 3D Software zum Konstruieren verwendet wird - und wird daher auch simpel mit Digital Painting bezeichnet. Analog gefertigte Entwürfe findet man häufiger in der Filmproduktion als unter den Entwürfen für Videospiele, da beispielsweise Costume Designer, die Kostüme auch von Hand nähen, auch ihre Zeichnungen und schnellen Skizzen von Hand fertigen. Es ist allerdings auch trotz des digitalen Zeitalters möglich, Entwürfe analog zu fertigen und dann einzuscannen.

  • Animation und VFX:

    Der Bereich Animation ist ebenso in kleinere Fachbereiche teilbar wie der Bereich Concept Art: Auch hier gibt es Einzelne, die sich auf Kreaturen, Fahrzeuge oder Hintergründe spezialisiert haben. Ihre Aufgabe ist es, die zweidimensionalen Entwürfe nun in 3D auferstehen zu lassen und in Bewegung zu versetzen, was technischer abläuft als das hauptsächlich kreative Schaffen der Entwürfe. Bei kleineren Studios kann es passieren, dass Entwürfe und Ausführung auch von den gleichen Personen gemacht werden.
    Innerhalb des Bereiches der Animation sind in größeren Firmen verschiedene Menschen zuständig für verschiedene Schritte, wie etwa ein Model von Skelett über Muskeln bis Haut zu erstellen oder eine Grundlage für dessen Bewegungen zu schaffen (Rig) - wobei sich auch hier auf die einzelnen Fachgebiete (Modeler, Rigger, Animator etc.) spezialisiert werden kann.
    Ein Modell entsteht dabei je nach Größe und Detailliertheit in Zusammenarbeit mehrerer Modeler, sodass es sein kann, dass jeder nur an einem kleinen Teil des fertigen Produkts arbeitet (wie beispielsweise nur an der Textur oder dem Bewegungsablauf).
    Wer in Visual Effects (VFX) arbeiten möchte, hat einen gleichermaßen kleinteiligen, aber sehr wirkungsvollen Job. So werden hier digital Explosionen erzeugt oder Wetterlagen verändert; es werden Details ergänzt, ohne die ein Film nur halb so atmosphärisch, wirkungsvoll oder ästhetisch ansprechend wäre. Auch das Löschen unerwünschter Details aus einer Filmszene oder das Ersetzen der Gesichter der Stuntdoubles mit denen der Stars ist Aufgabe der Animationsabteilung eines Films.

  • Matte Painter

    Ebenso wie die Arbeit der VFX Artists kann die Arbeit eines Matte Painters sehr kleinteilig sein. Obwohl früher ganze Hintergründe gemalt wurden, werden heute meist eher Teile von Kulissen ergänzt oder ausgebessert. Früher auf Glasplatten oder Leinwand gemalt, sind die Matte Paintings der Filmindustrie heute fast alle digital erstellt und kommen an Stellen zum Einsatz, an denen keine 3D Animation verwendet wird.
    Matte Paintings werden im Grunde mit den gleichen Mitteln erstellt wie auch Concept Art, müssen aber sehr viel detaillierter und genauer sein, da sie genauso im Endprodukt verwendet werden. Wer gerne viel Arbeit in die Details steckt, gibt also womöglich dem Matte Painting den Vorzug vor der Arbeit an Concept Art.

In der Film- und Spielproduktion gehören zu jedem Bereich natürlich immer mindestens ein Supervisor oder Art Director, mit dem die Arbeiten besprochen werden und von dem die fertigen Produkte auch abgenommen werden müssen. Das letztendliche Ergebnis hängt somit sehr stark von den Meinungen und Ideen anderer ab. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, kann es genießen, beim Schaffen der ersten Entwürfe praktisch keine Einschränkungen (natürlich ausgenommen die zeitliche) zu haben.

Wie fange ich in diesen Berufen an?

Genauso vielfältig wie die Berufe innerhalb der Film- und Gaming-Industrie sind die Möglichkeiten, die Anforderungen für dieselben zu erfüllen:

  • Ausbildung oder Studium:

    Einerseits kann ein Einsteiger im künstlerischen Bereich sich an ausgewählte Hochschulen, Privatschulen oder Akademien wenden, die beispielsweise Concept oder Digital Art als Ausbildung oder Studium anbieten, oder an einer Filmuniversität Animation studieren.

  • Quereinstieg (Ausbildung oder Studium außerhalb der Branche):

    Andererseits ist es nicht unüblich, ein allgemeineres Studium in Informatik, Design oder Mediengestaltung abzuschließen, und dann als Quereinsteiger in die Film- und Gaming-Branche zu kommen. Hierbei schafft das eigentliche Studium die technischen oder künstlerischen Grundlagen, auf die dann aufgebaut werden kann.
    In diesem Sinne stehen angehenden Künstlern in der Videospiel- oder Filmbranche beispielsweise auch die Türen der Academy of Fine Art offen: In der angebotenen dreijährigen Zeichen- und Malereiausbildung können analog wichtige Grundlagen, aber auch fortgeschrittenes Können erlangt werden. Zudem bietet die Academy ein viertes Ausbildungsjahr an, in dem eine Zusatzqualifikation in Concept Art und VFX erworben werden kann. Diese soll die Studierenden auf einen Einstieg in einige der zuvor genannten Berufe vorbereiten.

  • Praktikum:

    Der beste bzw. der einfachste Weg, in diesen Branchen anzufangen, ist nach wie vor das Absolvieren eines Praktikums. Dies kann direkt in einer in der Film- oder Gaming-Industrie angesiedelten Firma vorgenommen werden, und bietet so auch die vorteilhafte Möglichkeit, nach Ausbildungsabschluss direkt von einer Firma als Angestellte*r übernommen zu werden. Gerade Firmen, die in der ohnehin wachsenden Branche neue Leute suchen, sind sich dieser Möglichkeit bewusst und begrüßen neue Praktikant*innen mit Freude.
    Das Praktikum kann neben einer Ausbildung oder einem Studium stattfinden, welches nicht direkt mit Filmen oder Videospielen zu tun hat (wie z.B. eine akademische Ausbildung in der Kunst), kann aber auch in Rahmen eines dualen Studiums absolviert werden — je nachdem, wovon der oder die Studierende selbst am meisten profitiert.

Letztendlich werden ein gewisses Maß an künstlerischem Können und eventuellen Grundkenntnissen in zum Berufsfeld passenden Programmen (wie beispielsweise Procreate für Concept/Digital Art, Maya oder auch Blender für Animation etc.) von den meisten Ausbildungsstätten - egal ob nun Schule oder Firma - vorausgesetzt. Diese kann jeder durch Eigeninitiative oder vorherige Ausbildung erwerben. Es ist vor Allem eine Kombination von technischem Verständnis und Kreativität, die jeder angehende Künstler in der Film- und Gaming-Industrie mitbringen sollte.

Am Ende ist es jedoch immer noch am wichtigsten, dass ein Einsteiger ausreichend Begeisterung für seinen Job mitbringt. Die richtige Einstellung und Freude am Lernen kann schließlich von einem oder einer Bewerber*in überzeugen, selbst wenn diese*r noch nicht ganz alle Voraussetzungen erfüllt. Zudem sollte der angehende Mitarbeiter eine gute Teamfähigkeit mitbringen — Zuletzt ist ein erfolgreicher Film oder Spiel auch immer ein Produkt guter Zusammenarbeit.

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